Paraguay: Busfahren in Asunción

Ein besonderes Erlebnis und eine sportliche sowie intellektuelle Herausforderung ist das Busfahren in Asunción. Die intellektuelle Herausforderung besteht darin, dass man herausbekommen muss, wie die Linien fahren. Am Anfang habe ich einfach immer gefragt und dann hatte ich die wichtigsten Busse für meine Fahrten zur Uni oder zum Shopping-Center auf dem Schirm. Will man aber mal woanders hin, muss man in den Plan schauen. Der geht so: Zielstadtteil schauen, welche Linien dort fahren, eigenen Stadtteil schauen, welche Linien dort fahren. Dann muss man durch gleichzeitiges hin und her blättern zwischen den Seiten die Schnittmenge bilden und so herausbekommen, welche Linie die beiden Stadtteile passiert. Das ist dann die Linie, die man nehmen muss.

Wenn man umsteigen muss wird es schwieriger, denn dann muss man die Schnittmenge in einem dritten, aber ja noch nicht bekannten Ort bilden. Das macht man aber nicht, da man bei jedem mal Umsteigen neu bezahlen muss. Da die Busse kreuz und quer durch die Stadt fahren, kommt man aber auch ohne umsteigen irgendwann dort an, wo man will. Dauert zwar länger, dafür spart man sich aber die komplexe Bildung der Schnittmenge sowie 40 Euro-Cent. Letzteres ist ja ein gewichtiges Argument für den Europäer wie auch für den Paraguayo.

Hat man jetzt die passende Buslinie parat, muss man sich an die jeweilige Straße stellen, die der Bus passiert. Jetzt heißt es für kurzsichtige Brille aufsetzen, denn die Busse kommen geradezu angeschossen und man hat nur ganz wenig Zeit, die Busnummer zu lesen. Glaubt man die passende Nummer auf dem Bus gelesen zu haben, ganz schnell den Daumen raus, damit er auch anhält. Das klingt jetzt einfach, ist es jedoch nicht. Es gibt da mehrere Hürden. Erstens, als Anfänger steht man meistens so, dass man die Nummer nicht oder nicht rechtzeitig lesen kann. Meistens ist ein Baum im Weg, ein LKW verdeckt die Sicht oder was auch immer.

Zweitens reicht es nicht sich auf die gelesene Busnummer zu beschränken. Die Linie 12 gibt es in vielen Variationen und die stehen dann kleingedruckt noch irgendwo in der Windschutzscheibe. Findet man das nicht, dann hilft nur Fragen: Ist das die 12-1 oder 12-1-1 oder 12-2 oder …? Fährt dieser Bus nach XYZ? Die Busfahrer sind dann sehr verständnisvoll und nennen einem die gewünschte Information sowie auch Busalternativen. Da der Bus aber weiterfahren muss, fährt man schon ein Stückchen mit und muss wieder aussteigen.

Ist der Bus nun richtig gewesen, sollte man das Geld schon in der Hand halten. Die Fliehkräfte im Bus – und das ist der erste Teil der sportlichen Herausforderung – erlauben kein langes sondieren von Kleingeld in der Hosentasche, geschweige denn mit zwei Händen Scheine aus dem Portmonee zu holen. Festhalten und Gleichgewicht nicht verlieren, ist von nun bis zum Aussteigen angesagt.

Sollte man auf die Idee kommen, sich selbst zu bemitleiden, empfiehlt es sich hinter dem Busfahrer Platz zu nehmen. Der muss nämlich einen Mercedes Rundhauber (in Deutschland bis 1977 gebaut) ohne Servolenkung (die Frage nach Automatikgetriebe möchte ich nicht im Forum beantworten müssen) bei diesem Mörderverkehr unfallfrei und zügig manövrieren, auf die überwiegend im Schatten wartenden Mitfahrwilligen am Straßenrand achten, das Geld für das Ticket kassieren und Wechselgeld rausgeben. Das alles natürlich ohne Klimaanlage und zum Teil nur auf einem geflochtenen Stuhl. Nach dieser Beobachtung genießt man den wohl geformten Polyesterstuhl, den man zumindest außerhalb der Hauptverkehrszeit meistens ergattern kann. Während der Fahrt schaut man sich aus dem offenen Fenstern die Stadt aus der Formel 1-Perspektive an.

Aus- wie Einsteigen ist auch so eine Sache für sich und damit der zweite Teil der sportlichen Herausforderung: Erst mal muss man feststellen, dass der Bus für einen Mann nicht einfach hält. Er rollt weiter und man muss auf- oder abspringen. Das ist praktikabel, aber mit Flipflops sollte man ein wenig vorsichtig sein. Ältere Leute sowie die weibliche Bevölkerung genießen da aber Privilegien, für die wird gehalten.

Da es keine festen Haltestellen gibt, kann man überall aussteigen und das geht so: Entweder hängt durch den Bus hindurch eine Leine, an der man ziehen muss, oder es befindet sich ein Knopf über der Ausgangstür. Sobald man die Signalisierung betätigt hat – vorher gut festhalten! – wird vom Busfahrer der Anker geworfen. So fühlt es sich zumindest an, eine Vollbremsung ist nichts dagegen. Wenn die hintere Tür wegen der Hitze nicht sowieso schon offen ist, dann öffnet sie sich während der Ankerung langsam quietschend, als wenn Graf Dracula aus seinem Sarg kommt. Manchmal muss man der Tür vorm Abspringen noch nachhelfen, aber das bekommt man mit einer Hand schon hin (die andere Hand muss ja unbedingt verhindern, dass man den Halt verliert).

So, jetzt beende ich meine sarkastischen Ausführungen mit schlechtem Gewissen, denn mich haben die Busse immer und überall gut hingebracht. Es ist günstig und sie sind zahlreich. Meistens geht es schnell bis ein passender Bus da ist. Bus- und U-Bahnfahren wird in Deutschland langweilig werden. Ich werde euch vermissen:

Ihr Busse von Asunción!

Paraguay: Mit dem 2CV durch den Chaco

Ziel meiner Fahrt nach „Coronel Oviedo“ war das Zuhause von Walter Schäffer, der geführte Touren mit der 2CV-Ente oder dem Land Rover zu allen Nachbarländern und natürlich auch innerhalb von Paraguay anbietet. Seine Web-Site zeigt sehr gut, was für Reisen man mit ihm machen kann. Da seine Fahrzeuge sehr alt sind, haben sie weder Klimaanlage noch schicke Sitze. Es geht spartanisch und urwüchsig zu. Wem das nichts ausmacht, den erwartet eine tolle Reise mit einem sehr netten und ebenso kundigen Reiseleiter.

Der Plan mit Walter war es den „Chaco“ zu ergründen. Da Walter seit 29 Jahren in Paraguay lebt und auch schon viel im Chaco gejagt hat, kannte er diesen wie seine Westentasche. Der Chaco selber ist eine sehr dünn besiedelte Region im Nordwesten von Paraguay. Aufgeteilt in die drei Departamentos „Presidente Hayes“, „Alto Paraguay“ und „Boqueron“ wohnen auf einer Fläche von ca. 248 Tausend Quadratkilometern 143 Tausend Einwohner. Das macht ca. 1,7 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Vergleich zu dieser Zahl: Deutschland hat 229 Einwohner pro Quadratkilometer und ist nicht viel größer.

Der Lesende wird sich jetzt fragen: Was treibt einen in den Chaco, in the “Middle of Nowhere“? Die Antwort ist vielschichtig, zwei Gründe seien hier genannt: Mich reizen solch verlassene Landstriche aufgrund ihrer Weite und Ursprünglichkeit. Außerdem hatte ich von den deutschstämmigen Mennoniten gelesen, die vor 80 Jahren von Russland aus religiösen sowie wirtschaftlichen Gründen geflüchtet sind und einen Teil des Chaco landschaftlich mit viel Arbeit erschlossen haben. Denn der Boden im Chaco besteht nur aus Lehm und nimmt kein Wasser auf, so dass beim Regen alles überschwemmt wird. Außerhalb der Regenzeit trocknet er jedoch schnell aus und es entsteht eine staubige Wüste. Steine gibt es außer an einem besonderen Ort überhaupt nicht, damit fehlt jegliches Baumaterial für feste Häuser und Straßen.

Nach kleineren Reisevorbereitungen am Donnerstag sowie einen Abstecher nach „Villarrica“ mit Steffie, die sich gerade mit ihrem Mann in Cornel Oviedo niedergelassen hat, ging es dann am Freitag früh los. Wir hatten eine lange Anreise vor uns, insgesamt 470 km, also sind wir um 7 Uhr losgefahren. Die erste Pause haben wir dann im Chaco, 50 km hinter der „Remansobrücke“, eingelegt und uns dabei gleich festgefahren. Walter und ich haben nicht gesehen, dass die Wiese mit dem hohen Gras unter Wasser stand. Kein Problem, denn den Wagen haben wir mit den beiden Sandblechen schnell rausbekommen.

Abends haben wir dann hinter „Pozo Colorado“ unser Tagesziel „Buffalo Bill“ erreicht. Dies ist eine alte Ferienanlage zu denen früher die vermögenden Paraguayos kamen um es sich hier gut gehen zu lassen. Inzwischen total zerfallen wurde sie von einem jungen Paraguayo mit seiner Frau und seinem Säugling bewohnt, damit hier nicht alles geklaut wird. Der langsam denkende Bursche konnte mit 50.000 Guaraní dann dazu überredet werden, uns auf dem Platz zelten zu lassen und auch noch eine Dusche bereitzustellen. Die Dusche tat gut nach der Schlammschlacht zur Befreiung der Ente. Gegen die Mücken hat Walter dann gleich ein Feuer gemacht. Nach zwei Stunden fing es an zu regnen, unserer guten Laune und dem leckeren Essen, was wir uns gegrillt hatten, tat das aber kein Abbruch.

Die Mücken wurden jedoch zu einem Problem: Trotz Regen und Feuer waren sie aggressiv und stachen, wo nur ein wenig freie Haut zu finden war. Ich hatte feste Schuhe angezogen, die Regenjacke und natürlich eine lange Hose an; so ließ es sich aushalten. Nachts jedoch, als ich leicht bekleidet aus meinem Zelt gekrabbelt kam, um ein kleines Geschäft zu verrichten, kamen sie trotz Regen in Schwärmen auf mich zugeflogen. Sie haben mich wirklich gründlich zerstochen. Das wäre noch zu ertragen gewesen, aber als ich in mein Zelt zurück kehrte, war dies ebenfalls voll von diesen Blut saugenden Monstern. Alle Versuche sie auszuräuchern, tot zu schlagen oder anderweitig rauszuekeln schlugen fehl. Ab morgens um 4 Uhr war ich obdachlos.

Den Rest der Nacht habe ich dann vorm Feuer verbracht. Sobald ich jedoch den Rauch verließ, kamen sie wieder und wollten sich an mir belaben. Meine Füße habe ich dann in Schlamm getaucht, so boten sie wenig Angriffsfläche. Mein Gesicht, meine Hände und meine Arme habe ich mit Asche eingerieben, das half zwar wenig, stärkte aber meinen Kampfgeist (Mückenspray war dagegen vollkommen wirkungslos!). Belohnt wurde der Überlebenskampf dann mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Toll war es so weit draußen zu sein und wirklich nur Natur zu hören.

Als Walter aufstand mussten wir eine bittere Bilanz ziehen: Walter vollständig zerstochen, ich ebenfalls. An den offenen Köperstellen war auf jedem Quadratcentimeter ein Mückenstich. Etliche Mücken hatten es auch geschafft durch die Kleidung durchzustechen. Bei mir sind die Hände und Arme komplett angeschwollen. Nach einem spärlichen Frühstück haben wir dann die Flucht ergriffen.

Kaum im Auto und auf Reise war die Stimmung wieder gut. Wir sind den Trans-Chaco weiter bis „Mariscal Estrigarribia“ und dort von der festen Straße ab 40 km nach „Rosaleda“ gefahren. Dies ist ein kleines Dorf was von Schweizer Auswanderern vor ca. 20 Jahren gegründet wurde. Überwiegend Rentner und finanziell gut betuchte Aussteiger haben sich dort niedergelassen und sich schöne Anwesen mitten im Busch geschaffen.

Wir haben uns Rosaleda aber nur kurz angeschaut und sind dann gleich weiter zu Walter, Monika und deren beiden Kindern auf ihre 20 km entfernte Farm. Sehr ursprünglich. Walter hat 500 Hektar hier vor 10 Jahren gekauft, 50 davon hat er inzwischen gerodet und bewirtschaftet sie mit Viehzucht. Seiner Aussage nach kann man gut davon leben, muss nicht so viel arbeiten, reich wird man jedoch nicht. Monika hat sich gleich meiner Mückenstiche angenommen, einen “Aloe vera“-Zweig abgeschnitten (sieht aus wie eine Algarve) und den Saft auf die Haut aufgetragen. Das habe ich dann noch mal vor dem Schlafen gehen wiederholt, morgens nachgelegt und die Schwellungen sowie die ganzen Stiche waren weg. Super!

Geblieben sind wir nur über Nacht. Ich habe mein Zelt auf der Ladefläche von Walters LKW aufgeschlagen, da es dort überdacht war. Es gäbe noch viel von dem Besuch zu erzählen, ich möchte aber hier die Privatsphäre von unseren Gastgebern nicht verletzen. Wer Interesse an solch einem Leben hat frage mich einfach persönlich. Alles in allem war es hier sehr sehr nett mit den Vieren und ein tolles Erlebnis!

Vormittags haben wir nochmal einen Abstecher nach Rosaleda gemacht. Dort ist fast jeden Vormittag Stammtisch und da es Sonntag war, war er besonders gut besucht. Wir haben mit ca. 15 Bewohnern von Rosaleda zusammen gesessen und nett geklönt. Es wurde vom Leben dort erzählt, aber auch gefragt, was einen denn in diese Ecke verschlägt. Gelernt haben wir auch, dass man nicht für eine eMail den Stromgenerator anschmeißen kann. Da haben wir alle viel gelacht. Ich gebe zu, ich habe es mir einsiedlerischer vorgestellt. Aber die Bewohner von Rosaleda sind in ihrem Leben viel rumgekommen und haben sich sehr bewusst für das Auswandern entschieden. Auch sind sie nicht ganz unter sich geblieben sondern haben auch Deutsche und Holländer in ihre neue Heimat aufgenommen. Somit erschien es mir eine nette Gemeinschaft und ich habe mich sehr über die Gastfreundschaft gefreut.

Mittags ging es dann weiter in Richtung „Filadelfia“. Auf halbem Wege zum Trans-Chaco wurden wir vom Regen eingeholt. Auf diesen schlammigen Straßen können verbleibende 20 km dann sehr anstrengend werden. Die letzten 2-3 km sind wir nur noch im 1 Gang vorwärts gekommen. Das Hauptproblem ist dabei nicht, dass man sich fest fährt (was natürlich auch passieren kann), sondern, dass der Matsch so glatt wird, dass es den Wagen nicht mehr in der Spur hält. Es ist fahren wie auf dem Eis. Frontantrieb hat dabei einen leichten Vorteil gegenüber Allrad oder Heckantrieb, weil er den Wagen hinter sich herzieht. Um es kurz zu machen: Wir haben es gerade noch geschafft auf den asphaltierten Trans-Chaco zu kommen. Mitunter kann man auf den Pisten Tage festsitzen, bis der Schlamm wieder getrocknet ist und die Straße befahrbar wird. In Filadelfia sind wir entsprechend spät angekommen. Wir haben uns im ”Hotel Florida” einquartiert und sind von einem Deutschen Landsmann zu Pizza und Wein eingeladen worden. Es war eine nette und feucht-fröhlich Runde.

Am nächsten Tag bin ich dann rüber ins „Mennoniten“-Museum und habe mich über deren Geschichte kundig gemacht. Diese gebe ich hier im Kurzdurchlauf wieder: Die Mennoniten sind ursprünglich aus der Region Groningen und Ostfriesland als eigenständige protestantische Gemeinschaft ausgewandert, weil sie  sich nicht der Autorität des Staates unterwerfen lassen wollten. Bestes Beispiel hierfür ist die Wehrpflicht, die sie gemäß ihres Glaubens nicht praktizieren dürfen. Da sie als rechtschaffende Menschen bekannt waren, fanden sie eine neue Heimat in Russland und bekamen dort die für ihren Glauben notwendige Freiheiten. Dies währte immerhin 200 Jahre, bis die russische Revolution ihnen die Glaubensfreiheit sowie den freien Handel absprach.

Unter diesen Umständen suchten sie auf der Welt eine neue Heimat. Einige gingen nach Kanada, einige nach Brasilien und ca. 4000 Mennoniten ab 1931 in den Chaco. Vom internationalen Mennoniten-Dachverband und wohl auch mit Spenden aus Deutschland (persönlich auch von Reichspräsident von Hindenburg) erhielten sie das Nötigste um sich in dieser rauen Landschaft eine neue Existenz aufzubauen. In diesem Zuge wurde die Kolonie „Fernheim“ gegründet. Der Staat Paraguay gewährte ihnen einmal 50 und nochmal 30 Jahre volle staatliche Autonomie. D.h., sie mussten keinen Militärdienst ableisten, keine Steuern zahlen und durften ihre Kinder gemäß ihren Vorstellungen unterrichten (Religiös, in deutscher Sprache, usw.). Die neuen Bedingungen werden derzeit ausgehandelt.

Inzwischen sind die Mennoniten folglich 80 Jahren in diesem Land und haben viel vorzuweisen. Ihre Farmen werden modern bewirtschaftet und geben vielen Paraguayos sowie Indianern Arbeit. Imposant, was sie geschaffen haben. Besonders ihr Zusammenhalt, ihr Fleiß und ihre technische Aufgeschlossenheit hat dies möglich gemacht. Die Lehrerausbildung wird sogar vom deutschen Auslandsschulwesen unterstützt und Dozenten aus den Studienseminaren hierher abgeordnet.

Die gesellschaftliche Anerkennung der Mennoniten ist bei den Paraguayos sowie den anderen Deutschen/-stämmigen jedoch mäßig. Auf der einen Seite herrscht Anerkennung (aber auch Neid) über den ökonomischen Fortschritt, auf der anderen Seite erwirkt die streng religiöse und damit gesellschaftliche Abgrenzung (z.B. das Heiraten untereinander) Missgunst. Für mich war es erschreckend, wie besonders Deutsche/-stämmige sich ein abschließendes Bild über die Mennoniten gemacht haben, ohne jemals dort gewesen, geschweige denn mit ihnen gesprochen zu haben. Menschen, die sich als aufgeschlossen betrachten, stolz darauf sind, dass sie es geschafft haben sich in einem neuen Land eine Existenz aufzubauen und sowieso nicht so sind wie die Anderen, adaptieren die im Land schweifenden Vorurteile ohne Widerspruch.

Wir sind dann noch eine Nacht in Filadelfia geblieben und haben es uns gut gehen lassen. Danach sind wir weiter nach Concepción und haben dort die Stadt angeschaut. Concepción ist eine besondere Stadt: Auf der einen Seite abgelegen, auf der anderen Seite eine Provinzhauptstadt mit besonderem Flair. Der Hafen hier ist Umschlagplatz für alle möglichen Handelsgüter nach Asunción und Brasilien. Damit wird hier gut Geld verdient. Die Stadt ist durchdrungen mit kolonialem Baustil und man sieht häufig Pferdewagen. In den Nebenstraßen weiden die Tiere einfach auf der Straße. Trotzdem ist Concepción äußerst lebendig und durchaus auch modern, weil viele Händler, Motorräder und Autos die Stadt bevölkern. Wir sind aber nicht lange geblieben sondern 20 km weiter nach Belen gefahren. 1 km vor unserem Ziel und dem Ende der Reise hatten wir noch einen Platten. Den haben wir dann fachmännisch und mit Hilfe von zwei Zigaretten gewechselt ;-) Vielen Dank Walter, für den tollen Trip!!!

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Brasilien: Die Wasserfälle von Iguazú

Nachdem ich mich 5 Tage lang in Asunción (Paraguay) akklimatisiert hatte, musste es endlich auf Reise gehen. Viel zu lange hatte ich mich in meinem Zimmer bei kühler Klimaanlage verkrümelt und zu viel Zeit im Internet verbracht. Freitag früh um kurz vor 6 ging es dann auf Reise. Mit dem Rucksack zwei Blocks weiter an die Straße gestellt und auf meinen Bus gewartet. Am Überlandbusbahnhof (Terminal) hatte ich in 5 Minuten einen Platz im Bus nach „Ciudad del Este“. 70.000 Guaraní (ca. 12 Euro) für klimatisierte 400 Kilometer ist für uns Deutsche recht günstig. Die Überfahrt war unspektakulär, lecker jedoch die verkauften Backwaren im Bus.

Der Grenzübertritt nach Brasilien in Ciudad del Este war mühselig. Vom dortigen Terminal gibt es zwar einen Bus nach „Foz do Iguacu“ (Brasilien), der Busfahrer hielt jedoch irgendwann im Stau und sagte, ich solle die Straße runter laufen und ganz vorne in den Bus einsteigen. Ich war noch nicht ganz draußen, da ging der Regen schon los. Mit dem gesamten Gepäck dann an den ununterbrochenen aber überdachten Verkaufsständen entlang, denn diese Stadt lebt davon, dass die Brasilianer hier billig alles Mögliche einkaufen. Zwischendurch habe ich immer wieder die Angebote, ein Taxi oder Motorrad zu nehmen, ausgeschlagen. Die Taxen, weil die auch warten mussten, und Motorrad kam ebenfalls nicht in Frage, weil ich nicht im Regen absaufen wollte.

Bin dann bis kurz vor die Grenzstation und habe mir dort einen Privatwagen mit Fahrer genommen. 20 Real sind ein wenig mehr als 10 Euro, also doch schon ziemlich teuer. Egal, den Bus hatte ich nicht wiedergefunden und ich kam an den Punkt, dass erhöhter Reisekomfort mir jetzt gut tun würde. Im Endeffekt hat der Privatwagen mich dann für insgesamt 60 Real noch bis zu meiner Unterkunft außerhalb von Foz do Iguacu gebracht. Die Anreisebeschreibung, die ich hatte, war einfach zu lückenhaft um dort ohne 100 Irrwege hinzukommen.

Die Unterkunft im „Hostel Natura“ hat mir auf Anhieb gut gefallen. Große Anlage mit einem kleinen Teich, davor ein Quincho zum relaxen. Mein Zelt hat auch gleich einen schönen Platz gefunden. Im Hostel habe ich viele Leute kennengelernt, die Hälfte der Kunden waren Deutsche und wir hatten nette Abende zusammen. Ans Herz gewachsen sind mir Mark und Mary, die beide in Australien leben (150 km nördlich von Broome). Er Neu Seeländer, sie Malaiin. Er Hippie, sie Bergbauingenieurin. Gegensätze ziehen sich an.

Am Samstag habe ich es dann ruhig angehen lassen und bin zu den Wasserfällen auf der brasilianischen Seite gefahren. Die Anreise ist einfach und schnell bewerkstelligt. Der Eingang in den Park ist sehr großzügig gehalten. Perfekt organisiert geht es nach dem Eintritt mit dem Sammelbus durch den Nationalpark zu den Wasserfällen. Wenn man es vorher noch nicht registriert hat, Brasilien ist nicht billig. Die Preise hier in der Anlage können mit den Deutschen durchaus mithalten.

Der Blick auf die Wasserfälle entschädigt einen dann aber für all den Kommerz, den man über sich ergehen lassen muss. Auch der Zugang zu den Wasserfällen ist großzügig gehalten, so dass es bei den vielen Menschen nicht zum Gedrängel kommt. Geradezu verschwenderisch erscheinen einem all die aufgereihten Wasserfälle. Im späteren Verlauf kommt man immer näher an die Wasserfälle heran und kann sich in der Gischt baden. Ich denke, hier sprechen die Bilder für sich, so dass ich auf weitere Ausführungen verzichte.

Am nächsten Tag ging es dann mit einer geführten Reise auf die argentinische Seite der Wasserfälle. Ich hatte mich kurzfristig für diese teurere Variante entschieden, weil Mark und Mary mitgefahren sind, ich keine Lust hatte dreimal den Bus zu wechseln und dann noch Geld eintauschen zu müssen. Denn die Argentinier nehmen im Park nur Bares und das nur in ihrer eigenen Währung.

Diese Seite der Wasserfälle ist ursprünglicher. Kurzum, man hat nicht ganz so den Panoramablick wie von Brasilien aus, dafür kommt man aber näher ans Wasser heran. Die Argentinier haben versucht die Wasserfälle möglichst ursprünglich zu halten und damit auf Natur gesetzt. Es ist erklärtes Ziel des Parks auch die Welt des Regenwaldes aufzuzeigen. Das ist ihnen trotz des Massentourismus sehr gut gelungen.

Entsprechend sieht man schöne Botanik und lokale Tierchen. Gleich am Eingang begrüßte uns ein Tukan auf einer Palme, die niedlichen Nasenbären kann man unterwegs streicheln. Highlight ist im oberen Flusslauf die „Carganta del Diablo“. Kesselförmig fällt hier das Wasser in die Schlucht und man kommt ganz nah an das Geschehen heran. Die Luft ist voller Gischt und man wird dabei richtig nass. Die Kraft des Wassers zu spüren ist gewaltig!

Fazit: Man sollte sich auf jeden Fall beide Seiten der Wasserfälle anschauen. Hat man jedoch wirklich nur einen Tag Zeit, sollte man die argentinische Seite besuchen. Wer schon mal die Niagara Fälle gesehen hat: Die Wasserfälle von Iguazú sind auf jeden Fall eine Klasse besser. Nicht so überlaufen und im Vergleich viel natürlicher gehalten.

Nach einem Tag Pause bin ich noch in den Vogelpark „Parque das Aves“. Dieser liegt kurz vorm Eingang der brasilianischen Wasserfälle und ist ebenfalls seine Anreise wert. Der gesamte Park mit all seinen Attraktionen liegt in einem Urwald. Entsprechend toll ist das Ambiente. Die Vögel sind wunderschön und vielmals zutraulich, den Tukan kann man sogar streicheln. Ich denke auch hierüber liefern die Bilder einen guten Eindruck. Aus meiner Sicht ist der Park sehr empfehlenswert.

Am Mittwoch bin ich dann wieder über Foz do Iguacu nach Paraguay gereist. Diesmal ging es mit dem Linienbus über die Grenze. 2 Stunden dauerte die Fahrt, da der Grenzübergang komplett überlastet ist. Letzten endlich bin ich dann aber gut am Terminal in Ciudad del Este angekommen und habe auch sofort einen Bus nach „Coronel Oviedo“ bekommen.

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Promo-Viren

Promo-Viren hieß ein Buch, welches mir meine Mutter kurz nach meiner Verkündung “Ich werde jetzt eine Doktorarbeit schreiben” geschenkt hat. Das Buch ist ein Sammelband mit vielen Geschichten von Leuten, die ihre Erlebnisse mit ihrer Promotion wiedergeben. Es finden sich dort urige und lustige Geschichten. Einige berichten nur von dem Versuch, ihre Arbeit zu schreiben, andere von ihrem gesamten Leidensweg bis zur Fertigstellung. Jede Geschichte ist anders, zum Teil sehr obskur. Ich dachte mir, naja, das ist ein Buch, da muss man schon interessante Geschichten sammeln. Heute bin ich fertig mit meiner Promotion und weiß: Jeder Promovend hat seine Geschichte. Meine werde ich hier kurz zum Besten geben und dafür fange ich mit einer Frage an:

“Ob ich nochmal promovieren würde?”, bin ich jetzt ein paarmal gefragt worden. “Keine Ahnung”, leicht ist es mir nicht gefallen. Neben den fachlichen Problemen kämpft man permanent gegen die Zeit und mit sich selbst: Die Motivation aufrechtzuerhalten ist nicht einfach, da sich solch eine Arbeit über Jahre hinzieht. Interessiert einen das Thema (und das ist ein Muss), dann liefert die Neugier aber den notwendigen Rückenwind.

Das wirklich große Problem beim Promovieren sind die langen Denkphasen, die eingelegt werden müssen. 2-3 Tage am Stück an einer Problemstellung überlegen, lesen, konstruieren, schreiben und bei seinem Ergebnis dann auch noch zu akzeptieren, dass es zu einem späteren Zeitpunkt ggf. wieder verworfen wird, ist mühselig.

Nebenwirkungen bleiben dabei nicht aus: Das Denken fordert alle Ressourcen des Hirns und man wird vergesslich, kapiert alltägliche Dinge nicht mehr oder schafft es kaum, sinnvolle Sätze in der Alltagssprache zu bilden. Und wenn doch, dann sind sie kontaminiert mit Wörtern der Wissenschaft, so dass keiner sie mehr versteht. Eine Freundin von mir (selber Dr., im englischen Ph.d) sagt zu diesem Zustand immer: Permanend head-damaged people! Klar, das geht auch wieder weg, aber nach den Exzessen wissenschaftlicher Basisarbeit bedarf es ein paar Tage, bis man sich wieder normalisiert hat.

So, ich habe aber eine Geschichte versprochen, und da ich euch nicht mit 7 Jahren Erlebnissen aufhalten will, hier das Beste vom Ende meiner Arbeit: Nach einigem Hin und Her habe ich letztendlich an der Universität der Bundeswehr in München (UniBW) promoviert. Der Tag der Verteidigung war für den 1. Oktober 2010 angesetzt.

Tags davor habe ich noch mit Freunden in Hannover Mittag gegessen, danach ging es zum Zug, entspannte Anfahrt im ICE, aber beim Aussteigen in München musste ich gleich zur Kenntnis nehmen: A zapft is! 2/3 der Leute auf dem Bahnhof waren in Lederhosen oder Dirndl sowie betrunken. Der erste Schritt aus dem Bahnhof hinaus offenbarte gleich, wo man sich für das Oktoberfest passend einkleiden kann. In 3 Meter großen Buchstaben prangerte es von der gegenüberliegenden Häuserfassade: “Dirndl Outlet”

Danach ging es dann zur S-Bahn und raus nach Neubiberg. Dort hatte ich in der Nähe der UniBW ein Zimmer gemietet. Abends habe ich meinen Vortrag noch geübt, geschlafen habe ich – den Umständen entsprechend – gut. Morgens habe ich mich von einem Taxi zur Uni bringen lassen.

Am Eingang ging es dann auch gleich los: Personalausweis zeigen. Ungewohnt, aber man hatte mich ja vorgewarnt. Je nachdem, welchen Teil des Campus man betritt, sieht die UniBW entweder normal oder nach einer Kaserne aus. Die ersten Gebäude waren schon sehr BW-like, das Gelände aber schön angelegt und die Pädagogen in einem ganz neuen Gebäude untergebracht.

Dort dann der erste Schock: 50 in Fleckentarn gekleidete Soldaten im Hörsaal. Ich dachte erst, die stürmen den Raum, man ist ja doch schon sehr angespannt vor seiner Verteidigung, dann aber meldete sich mein Großhirn wieder: Mensch, du bist bei der UniBW. Meine Doktormutter erklärte mir dann hinterher, dass nur am ersten Tag des Studiums die neuen Studenten in Uniform kommen.

Danach ging es dann in den Vortragsraum, ich habe mein Laptop aufgebaut, über den Beamer erfolgreich meine Folien an die Wand projiziert und das Poster aufgehängt: Alles lief einwandfrei. Dann kam das Team meiner Doktormutter in den Raum und hier schließt sich der Kreis, der sich seit der Anreise aufgespannt hat: Die Mitarbeiterinnen waren fast alle in Dirndl gekleidet! Ich muss ziemlich perplex ausgesehen haben, jedenfalls kam gleich eine auf mich zu und entschuldigte sich für das Outfit: Nachmittags wollten alle gemeinsam zum Oktoberfest und deswegen die Maskerade.

Nach dieser kurzen Irritation hat mich das Outfit nicht weiter gestört, da man sich ja sehr stark auf seinen Vortrag konzentriert. Aber, wie auch die uniformierten Erstsemester, wirkte dieses Ereignis auf mich als hätte ich einen unsinnigen Tagtraum. Unsicherheit kommt dann auf: Bin ich wirklich in meinem Vortrag oder wache ich gleich einfach nur schweißgebadet auf?

Der Vortrag lief letztendlich wirklich gut, danach wurde ich ein wenig nervös, weil die Befragung zu meiner Arbeit folgte. Die Professoren haben aber konstruktiv gefragt, es war eher ein Dialog als ein Ausfragen.

So, das ist das Ende der Geschichte, ich wollte noch sagen: Ich bin jetzt auch ein Pii-Aitsch-Dii!!!

Spanien: Mis vacaciones en Castellón

Die Überschrift ist spanisch und lautet übersetzt “Mein Urlaub in Castellón”. Der Satz stammt aus einem Werbevideo der Stadt Castellón, welches den Ort eher entstellt als attraktiv macht. Aber schaut euch das Video selbst an (Link), man muss dafür kein Spanisch verstehen.

Was gibt es aus Castellón zu berichten? Ich habe dort meine ehemalige Arbeitskollegin und Busenfreundin Ana sowie ihren Freund Juanma besucht. Es war sehr schön Ana wiederzusehen und Zeit zu haben, mit ihr zu quatschen und mal wieder was zusammen zu unternehmen.

Das haben wir auch ausgiebig gemacht und so sind wir u.a. am Sonntag (22.08.) zusammen bei Juanmas Eltern (Marisa & Juan) eingeladen gewesen und haben dort selbst gemachte Paella gegessen sowie Sangria getrunken. Das war super lecker und daher stammen die paar Fotos, die ich mit meinem Handy gemacht habe.

Juanmas Eltern wohnen in Moncofa, einem kleineren Ort zwischen Valencia und Castellón, der in den letzten Jahren extrem gewachsen ist. Wer sich Moncofa auf Google Maps anschaut (Google Street View ausprobieren!), kann es ganz gut sehen. Einen verwinkelten Altstadtteil und dann viele große und neue Hotel- und Ferienhausbauten.

In Moncofa kann man die spanische Immobilienkrise hautnah erleben: Leer stehende nagelneue Häuserblocks und Ferienhäuser, halbfertige Bauruinen sowie voll erschlossene Baugrundstücke. In vielen Fenstern hängt darüber hinaus ein “zu verkaufen” Schild. Bleibt zu hoffen, dass die Krise sich legt und damit der verlassene Eindruck verschwindet, den die Stadt derzeit ausstrahlt.

Am Donnerstag kam dann Matze nach Castellón und am Freitag (27.08.) sind wir nach Valencia gefahren. Dort haben wir das Strandleben genossen – auch wenn wir am Freitag 47 Grad zu ertragen hatten – und sind am Samstag mit Esteban und Magda bei ihrem Vater Antonio im Restaurant Essen gewesen. Das war wirklich ausgezeichnet und wir haben ein 10-Gänge-Menü geschlemmt (alleine dreimal Nachtisch; das Menü kostet regulär 25 Euro). Später haben wir dann in “el Carmen” sowie am “Port American´s Cup” das Nachtleben exploriert.

Einhellige Meinung: Valencia ist immer wieder gut für einen Wochenendtrip. Wer eine moderne europäische Metropole (drittgrößte Stadt in Spanien) zwecks Shopping, Kultur, Essen, Strand und Nachtleben besuchen möchte, ist hier am richtigen Ort. Entgegen Paris, Rom, Barcelona oder London ist Valencia außerdem bezahlbar.

Australien: Resümee

Jetzt ist die Reise schon 2 Wochen vorbei. Die Bilder sind sortiert und online gestellt. Natürlich fragt man sich am Schluss, was ist gut gelaufen, was weniger gut, denn Reisen will gelernt sein und mit jeder Reise sollte man ein wenig dazulernen.

Gut gelaufen ist mit Abstand der größte Teil der Reise. Unsere Ausrüstung war super (pro Mann ein Zelt kann ich sehr empfehlen), das mit dem Wagen hat gut geklappt und war deutlich billiger als bei Britz, Maui und wie sie alle heißen. Auch waren wir zur richtigen Jahreszeit dort und haben nicht alles in den Reiseführern gelesen, so dass es noch genug zu entdecken gab.

Eine Sache würde ich jedoch anders machen: Ich würde nicht wieder so viele Kilometer fahren. Trotz 4 Wochen Fahrzeit und wirklich guten Straßen waren 6000 km einfach zu viel. Die halbe Strecke wäre ok gewesen. Grundsätzlich stellt sich darüber hinaus die Frage, ob es unbedingt ein One-Way-Trip sein muss. Hätte man nur in Broome oder Darwin den Wagen angemietet und dort wieder abgegeben, das wäre ggf. genausogut gewesen.

Eine Einschränkung muss ich darüber hinaus für das Auto aussprechen: Für richtige Outback-Trips ist ein SUV nicht geeignet. Es reicht nicht Allrad zu haben und eine dicke Maschine. Unser Patrol war durch und durch für die Straße ausgelegt. Das hat man an den Reifen, an der geringen Bodenfreiheit, an dem Innenteppich und dem fehlendem Safari Schnorchel gemerkt. D.h., sobald man z.B. ein wenig mehr Wasser auf der Straße hat, kommt man ans Ende der Reserven. Heute würde ich versuchen einen Wagen bei Trifty zu mieten. Die vermieten Fahrzeuge an die Minen. Deren Wagen sind viel besser auf das Gelände vorbereitet als der Vorstadt-Patrol. Mit solch einem Fahrzeug ist man dann gut vorbereitet für das Outback.

Wie Eingangs schon erwähnt, diese Ausführungen dienen der Selbstreflektion und dem Reisen lernen. Damit hier also abschließend nicht ein falscher Eindruck entsteht:

Die Reise war super!!!

Australien: Arrived in Darwin!

Seit Broome ist viel geschehen: Wir haben die Kimberlys über die Gibb River Road passiert (670 km Piste), das Bundesland gewechselt (wir sind nicht mehr ist Western Australia sondern in Northern Territory), eineinhalb Stunden Zeitverschiebung auf unseren Uhren umgestellt, den Kakadu Nationalpark gesehen und zwischendurch immer mal wieder einen Tag entspannt. Gestern sind wir in Darwin angekommen und damit ist unser Trip zu Ende. 6000 km durch den westlichen Teil Australiens liegen hinter uns und uns geht es gut!

Dabei haben wir viel erlebt: Kurz hinter Broome ist uns im Wagen die Klimaanlage ausgefallen. Holger und ich haben versucht die Leitung provisorisch abzudichten, aber das hat nur einen Tag gehalten. Seit dem sind wir ohne Klimaanlage unterwegs. Schade eigentlich, denn bei 37 Grad im Schatten ein nettes Gimik um die Hitze im Auto zu begrenzen. Aber wir wollten ja das Abendteuer und wir haben uns recht schnell dran gewöhnt mit offenem Fenstern zu fahren. Entsprechend verstaubt sieht der Wagen und unsere Ausrüstung jetzt aus.

Hier im Norden gab es dann wieder viele Tiere zu entdecken: Die weißen Kakaduschwarden waren uns ja schon bekannt, aber schwarze Kakadus hatte keiner von uns bis jetzt gesehen. Auch fliegen hier viele bunte Papageien rum, laut krächzende Raaben, Libellen und vieles mehr. In der letzten Woche haben wir uns besonders mit den kleinen Kängurus (Wallabies) angefreundet. Die waren auf den Zeltplätzen erst nur Abends, dann aber schon am Nachmittag anzutreffen und haben sich von uns füttern lassen (siehe Foto).

Krokodile gibt es hier leider auch, so dass die Freude  über die Wasser führenden Flüsse (auf der Gib River Road war fast alles noch ausgetrocknet und ein kühles Schwimmerchen nur selten möglich) getrübt war. Solange es sich um Süßwasserkrokodile handelt ist es recht ungefährlich, denn die werden zwar bis 3 m lang, greifen den Menschen aber nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Die letzten Tage waren aber schon viele Salzwasserkrokodile in den Flüssen und die beißen so ziemlich auf alles, was sich bewegt (die werden bis zu 7 m lang!). Beim Paddeln in einer Schlucht ist dann Holger und mir ein 2,5 m langes Süßwasserkrokodil entgegengekommen. Das ist knapp 8 m an uns herangeschwommen, dann aber abgetaucht und ward nicht mehr gesehen. Hui… ganz schön gruselig! Laut Ranger aber keine Gefahr und das Tierchen bekannt.

Sehr beeindruckt hat mich die Aborigines-Kultur, obwohl die ersten Kontakte mit den australischen Ureinwohnern in Broome nicht so toll waren. Viele haben sich in den Pubs betrunken und nachts auf den Straßen geschlafen. Dann haben wir aber zunehmend mit deren Kindern beim Baden zu tun gehabt. Die sind sehr fidel und überhaupt nicht scheu. Sie wollen deinen Namen wissen, sich an dir festhalten und durch deine Beine tauchen. Die Familie sitzt dabei im Schatten und lässt die Hitze über sich ergehen. Sie winken dann nett rüber und deuten an, dass man ruhig mit den Kidies spielen soll.

Im Kakadu Nationalpark war dann ein Aborigines-Kulturcenter, welches eindrucksvoll die Lebensweise der Aborigines dokumentiert hat. Dies zeigt eine Vielvölkerkultur, die friedlich im Einklang mit der Kultur leb(t)en. Die Aborigines haben dabei ihr gesamtes kulturelles Erbe als Höhlenmalerei dokumentiert und geben dies von Generation zu Generation weiter. Toll, wieviel Wissen sie über die Natur, die Jagd aber auch das menschliche Zusammenleben gesammelt haben.

Nachdem der australische Staat bis in die 60er Jahre die Aborigines kategorisch ausgegrenzt hat und in einigen Gebieten noch Kopfgelder für jeden abgeschossenen Aborigines bezahlt wurden, hat sich in den letzten Jahren viel verbessert: Ihnen wurden große Gebiete zurückgegeben, die sie nun selbst verwalten. Insgesamt war für uns jedoch nur ein kleiner Einblick in die Kultur der Aborigenies möglich. Viele Gebiete sind leider nur mit einem Besucherpass begehbar.

So, dass solls gewesen sein. Ab kommenden Montag bin ich wieder im Büro. Wer mehr über Australien erfahren möchte, möge mich einfach fragen.

Australien: Lebenszeichen

Endlich schaffe ich es mich aufzuraffen und ein Lebenszeichen per Internet von mir zu geben. Ich gebe zu, es ist nicht ganz einfach: Im Outback ist keine Infrastruktur, kommt man in eine kleine Stadt, ist man mit Einkaufen beschäftigt und eine gewissen Unlust am PC zu sitzen, verfolgt mich ebenfalls. Aber jetzt zum Reisebericht:

Es ist total super hier :-) Landschaftlich ist Australien der Hit. Die Größe ist geradezu verschwenderisch, zumal hier kaum einer wohnt. Touristisch ist es aber gut erschlossen und derzeit sind viele Rentner mit ihren Motorhomes sowie Geländewagen unterwegs.

Am Anfang haben wir uns Perth angesehen und unsere Ausrüstung zusammengekauft. Nett war es mit Jules, einem australischen Freund von Klaus, der sich Zeit genommen hat, um uns die Stadt zu zeigen. Wie geplant haben wir auch unseren Nissan Patrol erhalten und sind sehr zufrieden.

Danach sind wir Richtung Norden raus. Am zweiten Tag haben wir gleich eine lange Geländefahrt von 1,5 Tagen unternommen. Immer an der Küste lang, über Sanddünen hinweg und durch vieles unwegiges Gelände. Der Patrol zieht gut durch. Zusätzlich lassen wir im Sand immer die Luft ab, dann geht es noch einfacher.

Danach sind wir weiter zu den Pinnacels, nach Monkey Mia, Peron Nationalpark, Tom Price, Kirjini Nationalpark, 80 Mile Beach bis nach Broome: 3400 Kilometer sind wir inzwischen gefahren! Hier in Broome haben wir uns jetzt zwei Tage in einem Backpacker Hostel einquartiert und erholen uns von der langen Reise und reinigen uns vom roten Sand, der inzwischen überall in unsere Ausrüstung eingedrungen ist. Morgen geht es dann weiter auf die Gibb River Road, nach Kunumurra, Kakadu Nationalpark und dann langsam Richtung Darwin.

Zum Wetter: In Perth war es recht kühl und regnerisch. Seit Monkey Mia haben wir aber sonniges Wetter und keinen Regen mehr gesehen. In der Wüste bei Tom Price war es recht kühl in der Nacht und tagsüber schon fast unerträglich. Hier in Broome ist es dann richtig warm geworden: 30 – 34 Grad im Schatten, 28 Grad Wassertemperatur. Das ist noch erträglich im Hostel und am Strand, beim Reisen stört es eher. Mit der Weiterreise wird es noch wärmer werden.

Wir haben jetzt nicht mehr so viele Kilometer vor uns, so dass es ein wenig entspannter sein wird. Alles in allem viel zu wenig Zeit für solch ein großartiges Land. Australien lädt nunmal zum Langzeitreisen ein.

20 years out of school party

… war der Titel der Veranstaltung, der ich letztes Wochenende beigewohnt habe. So lange ist es her, dass ich aus der Realschule entlassen wurde. Seit dem ist viel passiert, aber das möchte ich hier nicht berichten.

Stattdessen wollte ich von den Gefühlen berichten, die einem wiederfahren. So habe ich mich bei der Einladung tierisch gefreut und mich sofort angemeldet. Mit näherrücken des Termins beschlich mich dann aber ein gewisser Widerwille, mich zu der Veranstaltung zu begeben. Eine diesbezügliche Nachfrage bei meinem Kumpel Matze ergab: Auch bei ihm nahm die Vorfreude ab. Auch abends haben mir mehrere Leute von diesem Phänomen berichtet. Anfängliche Vorfreude wich einer gewissen Beklemmung. Bevor ich hier lange unsere theoretischen Ansätze ausbreite: Wir konnten uns daraus keinen Reim machen.

Und warum auch, letzten endlich war es eine sehr schöne Veranstaltung. Fünf Minuten nach dem Eintreffen war die Beklemmung verflogen, die Gespräche drehten sich um das legendäre: Was machst du jetzt, wo wohnst denn du? Die Frage ist zwar schwierig, weil man sich immer auf eine Grandwanderung zwischen echtem Interesse an der Person – was meine Intention der Frage ist – und “Mein Haus, mein Auto, meine Frau und meine Jacht” begibt. Da der Emsländer aber eh von den meisten weiß, wie es um ihn gestellt ist, ist die Gratwanderung leicht zu bewerkstelligen. Darüber hinaus führen Statussymbole in dieser Region Deutschlands eher zu Mitleid als zu Anerkennung.

Der überwiegende Abend lief dann auch recht locker ab und letzten Endes zeigt es einem, wie vielschichtig die Lebensverläufe einer recht homogenen Lerngemeinschaft verlaufen (ui, hier spricht der Pädagoge ;-) . Bilder gab es natürlich auch! Lange haben wir in der Nacht noch gefeiert, denn das macht der Emsländer ja gerne!

Bosseln

Letztes Wochenende war es wieder einmal so weit: Bosseln im Emsland! Letztes Jahr bin ich ja König geworden und so hatte ich die Organisation “am Hacken”. Das war aber nicht viel Arbeit, da alle ein bisschen mitgeholfen haben (Vielen Dank besonders an Michael, Lui und Holger). Meine Königin Anja hat sich auf den Beitrag ihres Mannes gestützt und da Holger fleißig war, war alles kein Problem :-)

Ja, es war wirklich nett und das Essen bei Robbers in Tinnen war dieses Jahr endlich mal gut! Die Gruppe war glücklicherweise nicht so groß (wir sind von 36 auf 20 Leute geschrumpft), so dass man auch mal zum Bosseln kam. Auch sind die neuen Regeln für das Königsbosseln gut angekommen.

Denn während im letzten Jahr noch der König und die Königin das Bosseln ausrichten mussten, gibt es dieses mal zusätzlich so genannte Schergen, die dem Königspaar die Arbeit abnehmen. Die folgenden Leute haben ein Amt übernommen:

  • Königin: Katarina
  • König: Klaus
  • Schergin: Michaela
  • Scherge: Marco

An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch!

Ich glaube es hat allen wieder gut gefallen. Die Harener haben es dann als Multikulti-Bosseln getauft… und in der Tat, wir hatten mal wieder viele Nationalitäten dabei (Indien, Spanien, Paraguay).

Bilder gibt es hier. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr!!!

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